108 Perlen der Weisheit: Auf dem Weg zur Erleuchtung

108 Perlen hat der buddhistische “Rosenkranz”, die Mala. Mit ihrer Hilfe zählt der Meditierende die Mantras: heilige Formeln, die ihn inspirieren und geleiten sollen. Ausgehend von Gesprächen mit dem Dalai Lama hat die Journalistin Catherine Barry für diesen Band 108 kurze Texte zur Meditation zusammengetragen und mit Illustrationen versehen. Es ist kein Zufall, dass Barry in dem Text, der den Meditationen vorangeht, ausführlich von ihren Begegnungen mit dem Dalai Lama berichtet. Seine ungeheure, unglaublich fried- und humorvolle geistige Energie überträgt sich ganz offensichtlich auf jeden empfänglichen Menschen, in dessen Nähe er kommt. Und sollte jemand eine Umfrage zu diesem Thema wagen, so dürften die Sympathiewerte des Dalai Lama selbst im “Wir-sind-Papst-Land” noch deutlich höher sein als die von Benedikt XVI. Auch wenn es paradox klingt: Für den westlich geprägten Leser ist es oft erst die — wie auch immer imaginäre — Präsenz des Dalai Lama oder eines anderen “Meisters”, die ihm diese und andere buddhistische Weisheiten erschließt. Die Texte sind in ihrer Kürze recht abstrakt und klingen mitunter sogar banal: “Der entscheidende Schlüssel zum Glück ist, mit dem zufrieden zu sein, was man im Augenblick ist und hat.” Das ist zwar irgendwie eingängig, bleibt aber, als bloßer Merksatz gelesen, letztlich blass und unverbindlich. Doch setzt man diesen und die anderen Texte in Beziehung zu dem Bild, das man von der Person eines buddhistischen Lehrers wie etwa des Dalai Lama hat, nehmen sie wirklich Gestalt an und können so den Zweck erfüllen, den das Buch verfolgt: echte Besinnung zu ermöglichen. Wer diese sucht, kann 108 Perlen der Weisheit also mit großem Gewinn lesen — sofern er das Buch nicht nur liest, sondern mit Achtsamkeit und Ruhe auf sich wirken lässt, Meditation für Meditation, Tag für Tag. Wer eine Darstellung über den Buddhismus im Allgemeinen und über die Person und Lehre des Dalai Lama im Besonderen möchte, dürfte eher enttäuscht sein. Dies sollte man allerdings nicht dem Buch anlasten. Dokumentiert es doch, was Buddhismus vor allem ist: eine Praxis — und nicht allein Gegenstand des Wissens. — Roland Große Holtforth, Literaturtest

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